Saga

20/20

CDstarts.de: 7/10

VÖ: 06.07.2012
Genre: Prog-Rock
Spieldauer: 48 Minuten
Studio: earMusic/EDEL

Die Prog-Heroen melden sich im klassischen Line-Up zurück und spielen gewohnt professionell. Aber auch ohne große Überraschungen...

Ein Fest für Prog-Freunde: Nicht nur Rush melden sich nach fünf Jahren mit ihrem Longplayer „Clockwork Angels" zurück, auch die Sägeschrecke aus Kanada hat ihren Schwarm wieder formiert. Und im Hause Saga hat sich tatsächlich einiges geändert. Sah es anfangs so aus, als würde Rob Moratti das Gehege der Rock-Dinosaurier ausmisten, wurde die Band schnell und gewalttätig auf den Boden der Tatsachen zurück gerissen. Ohne Michael Sadler wollte keiner die alteingesessene und extrem langlebige Kapelle sehen oder hören. „The Human Condition" wurde so nicht zwangsläufig zu einem Totalflop, ließ aber viele mit ratlosem Gesicht zurück. Nach einem gerade mal dreijährigen Gastspiel, heuerte man deshalb Michael Sadler ans Mikro zurück. Auch wenn die Maßnahme hinsichtlich Moratti deutlich unangenehm ist und eine schwierige Position einnimmt, werden sich die Fans über das quasi klassische Line-Up der immerhin 35 jährigen Band freuen. Der Albentitel „20/20", in der Medizin als perfekte Sehkraft definiert, macht seinem Namen alle Ehre, denn Band und Hörer wissen genau, wo sie hin wollen. Saga überzeugen als Einheit, die es wie kaum eine anderer Vertreter ihres Genres versteht, die eigene musikalische Erscheinung so selbstverständlich und homogen wie möglich zu präsentieren.

Gleich mit dem Opener „Six Feet Under" geht man da keine Risiken ein und bieten den gewohnten und geliebten Sound. Neo-Prog-Keyboards, melodische Gitarrensoli und Michael Sadlers variantenreiches, mal dominant nach vorne schmetterndes, mal zurückhaltendes Organ, machen sofort klar, dass man als Fan wieder im Hafen angelegt hat. Auch „Anywhere You Wanna Go" bedient sich am Erfolgsrezept der Band und macht da weiter, wo sie 2007 mit „10.000 Days" aufgehört hatte.

Nach dem balladesk-sphärischen „Ellery" wartet mit „Spin It Again" die erste Überraschung. Fast schon metallisch springen die Herren hier aus der Bresche und rocken fröhlich und ungewohnt hart drauflos. Die Handschrift der fünf Kanadier bleibt dennoch klar erkennbar. Wenn Ian Crichton dann gegen Ende ein erstklassiges Gitarrensolo souverän aus dem Arm schüttelt, dann gehört das sicherlich zu den feinsten Momenten von „20/20" und zeugt von langjährigen Erfahrung und Professionalität. Dennoch träufeln Saga nur behutsam und vorsichtig ihre Ideen ins Glas. Seitdem die Band seit dem 1999er Werk „Full Circles" routiniert in ihrer eigenen Liga spielt, möchte man Abschreckungen wie die auf dem Vorgängeralbum möglichst vermeiden. Als Hörer oder sogar langjähriger Fan befindet man sich dann schon irgendwie in einem Dilemma: Von einer Progressive Rock Gruppe wünscht man sich auf der einen Seite mehr Mut, auf der anderen schreien erzkonservative Anhänger auf, die den Stil ihrer Band nicht missen wollen. „20/20" beschreitet deshalb seinen Weg mit vielen liebgewonnen Trademarks im Gepäck, schlendert aber auch in gewisser Hinsicht bieder vor sich hin.

Wie progressiv sind Saga also im Jahr 2012? Die Antwort ist ebenso simpel wie überhaupt nicht neu. Nummern wie „One Of These Days" und „Show And Tell" schielen in die AOR-Ecke, wären aber Anno Dazumal nicht eingängig genug gewesen, um Stadien zu füllen. „Ball And Chain" oder der als klarer Höhepunkt angelegte Rausschmeisser „Till The Well Runs Dry" bieten leicht süßlichen Neo-Prog, ohne aber die Komplexität des Genres in seinen besten Zeiten zu erreichen. Auf „20/20" entfaltet sich letztendlich die Spielweise einer Band, die Fans lieben und durch die Abstinenz von Frontmann Sadler schmerzlich missen mussten, erneut. Vom ersten bis zum letzten Ton spielen sich Saga gewohnt hochklassig, aber auch relativ überraschungsarm in die Gehörgänge. Relevant ist das immer noch. Und die Tatsache, dass die Reunion mit dem Stammsänger die Rechnung aufgehen lässt, macht das neue Output sogar noch relevanter. Irgendwie.

Anspieltipps:

Six Feet Under

Spin It Again

Till The Well Runs Dry

Autor: Daniel Køtz


Quelle: http://www.cdstarts.de/kritiken/110040-Saga-20%252F20.html

 

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